Impulsvortrag: Melanie Kaiser spricht über Entscheidungen

Ein wesentlicher Aspekt von Projektarbeit (weit über das Management hinaus) sind Entscheidungen. Damit sind nicht nur die fachlichen Entscheidungen gemeint, sondern auch jene, die unser seelisches Wohlbefinden tangieren.  Dr. Melanie Kaiser ist Psychologin und hat sich mit den Prozessen hinter den Entscheidungen befasst  aber lassen wir sie selbst zu Wort kommen.

dr_kupsch600Heutzutage sind die meisten von uns in der glücklichen Lage, viele lebenswichtigen Entscheidungen frei treffen zu können. Noch nie konnten wir so viel entscheiden wie heute. Doch die vielen Möglichkeiten machen uns das Leben manchmal auch schwer.  Das Thema betrifft auch alle Arten von Projekten, denn hier sind sowohl im Vorfeld wie auch währenddessen etliche Entscheidungen zu treffen, die weitreichende Konsequenzen haben. Ich möchte darauf eingehen, wie wir Entscheidungen klüger treffen können. Das bedeutet für mich in erster Linie, sich dahinter liegenden Prozessen bewusster zu werden und zu verstehen, wie Entscheidungen aus psychologischer Sicht zu Stande kommen. Denn wenn wir verstehen, was uns zu welchen Schritten bewegt, können wir das Steuer über unsere Entscheidungen immer öfters übernehmen, anstatt uns von unbewussten Anteilen überrumpeln zu lassen. Für unser seelisches Wohlbefinden ist es wichtig, dass alle inneren Anteilen hinter unseren Entscheidungen und den daraus folgenden Handlungen “stehen”. Nur dann wird man am Ende nicht von Schuld- oder Schamgefühlen oder dem Gefühl gequält, sich letztendlich doch falsch entschieden zu haben.

Ich bin 1977 geboren, Rheinländerin und habe in Trier Psychologie studiert. Anschließend promovierte ich an der LMU München innerhalb eines EU-Projektes zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dieses Projekt untersuchte in 7 europäischen Ländern berufstätige Paare mit kleinen Kindern bezüglich ihrer Lebenszufriedenheit, Gesundheit, beruflichen Rahmenbedingungen, Beziehungszufriedenheit, etc. In zahlreichen Präsentationen auf verschiedenen Kongressen in Europa trugen wir unsere Ergebnisse vor. Nach dem Projektende arbeitete ich noch ein Jahr am Lehrstuhl für Persönlichkeits- und Familienpsychologie der LMU als Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Aus dem Wunsch heraus, mehr therapeutisch arbeiten zu wollen, verließ ich den Pfad der Unikarriere und absolvierte die langjährige Zusatzausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Innerhalb derer lernte ich Patienten aus der Psychiatrie und der Psychosomatik kennen. Im Klinikalltag lagen meine Schwerpunkte u.a. in der Behandlung von Patienten mit Burnout, Angstsymptomen, Traumatisierungen und chronischen Schmerzen. Nach der Geburt meines ersten Sohnes machte ich mich 2013 in eigener Praxis selbstständig. Auch in diesem Patientenklientel kann ich beobachten, dass Burnout immer wieder der Auslöser langwieriger psychischer wie körperlicher Erkrankungen ist. Nebenbei arbeite ich nach wie vor als Dozentin für verschiedenste psychologische Themen und biete Führungstrainings bzw. Supervision mit Pferden an.

Das alles macht mich jetzt nicht zur Expertin für Projektmanagement, jedoch habe ich von vielen fachlich hoch qualifizierten und sicher auch kompetenten Menschen erfahren, unter welchen Arbeitsbedingungen und Lebenskonstellationen ein Mensch nicht mehr “funktioniert” und die Psyche einen Kurzschluss verursacht. Dieser legt das ganze System Mensch zunächst schleichend, dann aber sehr effektiv lahm. Und ist dies erst einmal passiert, kommt es zu langen Fehlzeiten durch Krankheit. Ich zäume sozusagen das Pferd von hinten auf: aufgrund des Wissens, was begabte Menschen im System scheitern lässt versuche ich einzuschätzen, welche Bedingungen wohl Menschen in allen Arten von Projekten gesund, zufrieden und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit auch motiviert und erfolgreich sein lassen

 

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