Impulsvortrag: Resilienz folgt der Effizienz

Jeder Tag eines PM Camp wird mit einem Impulsvortrag eröffnet. Die Impulsvorträge sind in der Regel nicht nur auf Projektarbeit fokussiert sondern sollen bewusst den gedanklichen Raum erweitern. In diesem Jahr möchten wir die Vortragenden und die Themen, die sie mitbringen werden, schon vorab vorstellen.

Schindler_Foto_FarbeJörg Schindler wurde 1943 in Augsburg geboren und wohnt heute in der Nähe von München. Er hat in den 1960er Jahren Wirtschaftswissenschaften an der LMU München studiert. In den 1970er Jahren arbeitete er bei verschiedenen Firmen im Münchner Raum an der Entwicklung neuer Verkehrssysteme. 1984 wechselte er zur Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (LBST) in Ottobrunn. Dort war er von 1992 bis Ende 2008 Geschäftsführer. Seither befindet er sich im (Un)Ruhestand als Autor.

 

Darüberhinaus war und ist er in vielen Bereichen aktiv:

  • Von 2000-2003 Miglied der Enquêtekommission des Bayerischen Landtags “Mit neuer Energie in das neue Jahrtausend”.
  • Mitglied im Vorstand von ASPO Deutschland e.V. (www.aspo-deutschland.org) und Vorstand der Solarinitiative München-Land e.V.
  • Mitautor zahlreicher Studien und Bücher zur künftigen Verfügbarkeit fossiler Energieträger: z.B. diverse Studien für die Energy Watch Group (www.energywatchgroup.de) zu Kohle, Erdöl und Uran, die Bücher „Ölwechsel” (München, 2002), „Geht uns das Erdöl aus?” (Freiburg, 2009), „Aufbruch, Unser Energiesystem im Wandel” (München, 2011), „Postfossile Mobilität – Wegweiser für die Zeit nach dem Peak Oil“ (Bad Homburg, 2009) und zuletzt „Öldämmerung – Deepwater Horizon und das Ende des Ölzeitalters” (München, 2011).

Und hier nun einige seiner Gedanken(splitter) zum Projektmanagement:

Allgemeine Bemerkungen

  • PM handelt von unternehmensinternen Abläufen. Ein Unternehmen ist Teil der Wirtschaft, Teil der Gesellschaft, Teil des sozialen und ökologischen Metabolismus der Menschheit. Das „Innen“ und das „Außen“ gehören daher zusammen.
  • Innen: Welches Rollenverständnis hat ein Unternehmen von seinen Mitarbeitern? Die Spannweite kann von austauschbarem „Kostenfaktor“ bis zu das „wesentliche Kapital“ reichen. Das Spannungsfeld von „Vertrauen“ und „Kontrolle“ bestimmt entsprechend die Ausgestaltung der betrieblichen Abläufe.
  • Damit ist PM auch stark pfadabhängig. Wie hat sich ein Unternehmen organisiert, welche Qualifikation haben die Mitarbeiter? Welche Kompetenzen gibt es nach „innen“ und nach „außen“? Welche Unternehmenskultur hat sich entwickelt? All das ist gewachsen und läßt sich nur langsam ändern. Dies schränkt die möglichen aktuellen Optionen für das PM ein.
  • Außen: Die Sicht auf die Außenwelt hat prägenden Einfluss auf das Rollenverständnis eines Unternehmens sowie in der Folge auf die internen Abläufe und das PM.
  • Die Rolle der Produkte und die Interaktion mit der Außenwelt.
  • Wie aber sieht diese Sicht aus? Reicht der Blick „nur“ auf Märkte? Welche Märkte? Absatzmärkte, aber auch Beschaffungsmärkte. Schnell verschwimmen die Grenzen und vieles wird – notwendigerweise – ausgeblendet. Business as usual (BAU) als implizite Geschäftsgrundlage.
  • Was halten verschiedene gesellschaftliche Gruppierungen von den Produkten? Wird die Art und die Qualität der Produkte kontrovers diskutiert?
  • Genauso wichtig sind gesetzliche und institutionelle Rahmenbedingungen. Wie geht ein Unternehmen damit um? Welchen Einfluss (über Verbände etc.) nimmt ein Unternehmen geleitet von welcher Weltsicht und welchen Werten?
  • Hat das Unternehmen eine Vorstellung von einer „guten Gesellschaft“? Was folgt daraus nach innen und außen?
  • Was sind die wesentlichen Voraussetzungen, auf denen das Geschäft ruht? Personeller energetischer und stofflicher Art, sowie die relativen Preise.
  • Die entscheidende sich daran anschließende Frage: Wie weit trägt BAU?

Thesen

  • BAU (Business as usual) kommt „jetzt“ an ein Ende.
  • Konkret: Mit Peak Oil kommt die kurze Ära der reichlichen und billigen Energie an ein Ende. Sie hat begonnen in der „großen Akzeleration“ in den 1950er Jahren mit dem zunehmend reichlicher und billiger fließenden Öl aus dem Mittleren Osten. (Der Historiker Christian Pfister hat diese Entwicklung als das „1950er Syndrom“ bezeichnet.) Die Folge war die Massenmotorisierung der industrialisierten Staaten und der Einstieg in die Konsumgesellschaft nach amerikanischem Vorbild. Diese Phase hat in den entwickelten Ländern ab Mitte der 1970er Jahre ihre Dynamik verloren und ist weltweit Mitte der 2010er Jahre global zum Halten gekommen – ungeachtet der noch weitergehenden nachholenden Entwicklung in den großen Schwellenländern Brasilien, China und Indien.
  • Damit steht die Welt an einem revolutionären Wendepunkt, nämlich dem Übergang von einem fossil getriebenen Kapitalismus zu einer postfossilen Gesellschaft – die Große Transformation. (Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen.)
  • Billige und reichliche Energie als Voraussetzung des Wirtschaftens: Mit Karl Valentin könnte man sagen, dass sich das jetzt als ein „falscher Irrtum“ herausstellt.
  • Es gilt, die unvermeidlich anstehende große Transformation verträglich zu gestalten. Das ist insbesondere auch eine Aufgabe für die Unternehmen. Nach innen eine Überlebensfrage, nach außen ein Lösungsbeitrag.
  • Für diese Transformation gibt es keinen Masterplan (und kann es auch keinen geben).
  • Da man nicht weiß, wie die Zukunft sein wird, muss es das Ziel von Unternehmen sein, mit möglichst vielen unterschiedlichen möglichen Entwicklungen fertig zu werden (das ist auch das Prinzip der Natur).
  • Was bedeutet das für das PM? Es bedeutet vor allem, dass Effizienz als leitende übergeordnete Maxime nicht mehr taugt. Effizient kann man immer nur in einem wohldefinierten Kontext sein. Vielmehr muss das Ziel die Resilienz sein.
  • Dabei wissen wir, dass Effizienz und Resilienz gegenläufig sind…
  • Aber auch Resilienz muss gemanagt werden. Nach außen durch einen kritischen Blick auf die Welt und das Erkennen von nichtnachhaltigen Voraussetzungen des eigenen Geschäfts. Nach innen durch Vielfalt der Qualifikationen, durch flexible Organisationsstrukturen und durch Selbstorganisation.

Wir freuen uns auf einen spannenden Impulsvortrag.

 

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